Hätte ich vorher gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich das nie gemacht. Schon einen Tag vorher haben mich die muskulösen Sportsmänner etwas nervös gemacht. Solche Typen findet man nicht im Klettergarten, sondern in freier, rauer Natur. Und diese raue Natur haben wir heute kennengelernt.
Wir haben die Tour gebucht, weil sie im Reiseführer sehr gelobt wurde, eine Tourbeschreibung hatten wir nicht.
Am Morgen holte uns ein Fahrer ab und brachte uns nach 10 Minuten abenteuerlicher Fahrt mit dem Jeep zu einem trockenen Flussbett, wo unser Guide und freundliche Ziegen uns begrüßten.
Der Fahrer fragte uns, ob wir abgehärtet wären oder ob wir einen Neoprenanzug brauchen, das Wasser sei schließlich 15 Grad warm🥶.
Wir zwangen uns in die Neopren Anzüge und zogen Sturzhelme und Schwimmwesten an. Unser Guide war zusätzlich mit Kletterseil und Karabinerhaken ausgestattet. Da wurde uns schon etwas mulmig. Keiner von uns beiden wollte zugeben, dass wir die Hosen voll hatten.
Der Guide voraus marschierten wir tapfer Richtung Canyon. Hier hätte ich eigentlich umkehren sollen.
Gleich zu Beginn gab es einen 8-10 Meter tiefen Abgrund, der nur durch Sprung ins kalte Wasser oder durch Abseilen zu überwinden war. Wir entschieden uns für das Abseilen. 🧗🏼Ich weiß nicht, ob ich vor Kälte oder Angst gezittert habe.
So ging es weiter. Der Guide gab uns gute Tipps, zeigte Tritte und Haltegriffe und leistete, wenn nötig Hilfestellung.
Immer wieder ging unser Blick nach oben. Ganz enge Schlucht, mehrere hundert Meter senkrechte, ausgewaschene Felswand und oben nur ein ganz kleines bisschen blauer Himmel. So ein Naturwunder haben wir beide noch nie gesehen.
Manchmal sollten wir die Hände hinter dem Kopf ausstrecken und rutschten auf dem glatten, nassen Fels mehrere Meter tief ins Ungewisse, platsch.
Dann wieder wurde es total eng und das Wasser verschwand in einer dunklen Höhle, die wir in völliger Finsternis durchschwimmen mussten.
Meine Gedanken waren bei Laura Dahlmeier und ich schaute oft nach oben, hoffentlich fällt kein Felsbrocken runter.
Hier unten war es schattig und saukalt, der Neopren wärmte nur wenig. Unser Schicksal hing an einem 19-jährigen Guide mit dunklen Olivenaugen, der uns Mut machte und häufig lobte, wenn wir ein weiteres Mal unsere Angst überwunden haben.
Springen oder Abseilen, beides ist gleich adrenalinhaltig. Mit dem Rücken voraus und die Füße gegen den glatten Fels ist mega anstrengend. Also sprangen wir, wenn’s nicht anderes ging oder wir rutschen auf dem Arsch ins kalte Wasser.
Alle paar Minuten eine neue Herausforderung, wir bekamen allmählich immer mehr Übung und wurden sicherer, aber auch müde. Anstrengung, Stress, Kälte und unser Alter machten sich bemerkbar.
Nach über drei Stunden taten uns alle Muskeln und Gelenke weh.
Dann wurde die Schlucht allmählich breiter und die Sonne wärmte uns etwas. Das kalte Wasser hatten wir geschafft, noch einige hundert Meter Felsen klettern und wir sahen in der Ferne erleichtert den Jeep, der schon auf uns wartete.
Geschafft, wir hatten ein einmaliges Erlebnis, es hat sich gelohnt.😁🙏





